logo

mit dem Seminarfach „Recht und Ordnung“ des Humboldt-Gymnasiums Gifhorn

Seminarfach 1Vom 24. bis zum 26. November 2025 durfte das 12er Seminarfach von Herrn Dr. Issinger aus dem normalen Schulalltag ausbrechen und sich in die Welt der Justiz wagen. Drei Tage lang drehte sich alles um Gerichte, Verfahren und Rollen, die man sonst nur aus Filmen oder Nachrichten kennt. Es war überraschend spannend und manchmal sogar ein bisschen nervenaufreibend. Für diese Erfahrung sind wir sehr dankbar.

Der erste Tag begann mit Besuch aus dem Amtsgericht Gifhorn. Ein Richter und eine Rechtspflegerin nahmen sich mehrere Stunden Zeit, um uns einen Blick hinter die Kulissen der juristischen Berufe zu geben. Es gab nicht einfach nur die üblichen Folien zum Thema „Wie werde ich Richter?“, sondern echte Einblicke, kleine Geschichten aus dem Arbeitsalltag und ehrliche Antworten auf viele Fragen. Danach ging es direkt in Kleingruppen an erste juristische Fälle. Wir mussten entscheiden, abwägen, diskutieren – und stellten fest, dass es gar nicht so leicht ist, zu einem Urteil zu kommen, wenn man beide Seiten ernst nimmt.

Seminarfach 2Am zweiten Tag stand unser Besuch im Amtsgericht an. Das klingt vielleicht trocken, aber wer einmal in einer echten Verhandlung sitzt, merkt schnell, dass dort mehr passiert, als man erwartet. Wir konnten mehrere Verfahren beobachten und bekamen einen Eindruck davon, wie viel Ruhe, Geduld und Konzentration es braucht, um als Richter/in, Verteidiger/in oder Staatsanwalt durch ein Verfahren zu kommen. Anschließend wurden wir auf unsere eigenen Rollen vorbereitet – und vielen wurde erst in diesem Moment klar, dass der dritte Tag ziemlich ernst werden würde. Dabei unterstützte uns eine weitere Richterin inhaltlich.

Denn am letzten Tag ging es zur Sache: Simulation im echten Gerichtssaal. Wir hatten alles dabei – Richter, Schöffen, Staatsanwältinnen, Verteidiger, Zeugen, Angeklagte und sogar einen Wachtmeister, die alle ihre Rollen überzeugend spielten und dazu sogar die passende Kleidung oder Uniform trugen. Der Fall, den wir verhandelten, behandelte eine körperliche Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen und ein kompromittierendes Video, das in sozialen Medien hochgeladen wurde. Ein typisches Jugendstrafverfahren, aber mit genug Wendungen, dass niemand einfach nur gelangweilt herumsaß. Einige nahmen ihre Rollen mit bemerkenswerter Ernsthaftigkeit wahr, während andere zunächst etwas nervös waren, sich aber schnell zurechtfanden. Besonders wertvoll war die kontinuierliche Unterstützung durch erfahrene Fachleute, die uns bei schwierigen Paragrafen und Formulierungen halfen.

Am Ende bleibt ein Projekt, das uns allen einen sehr realistischen Eindruck von der Arbeit in der Justiz gegeben hat. Man merkt erst, wie komplex unser Rechtssystem wirklich ist, wenn man selbst an einem Tisch sitzt und entscheiden soll, wer Recht hat und wer nicht. Für viele war es eine Form der Berufsorientierung, für manche vielleicht sogar ein Anstoß, später einmal etwas Juristisches zu machen. Und für alle zusammen war es eine Erfahrung, die definitiv mehr als „nur Unterricht“ war. Am Ende verließen alle Schüler dankbar und bereichert das Gericht.

Emil Sattelmaier